Familienaufstellungen
'Der Mensch im größeren Ganzen‘
Der heutige Blogbeitrag ist der erste Teil einer dreiteiligen Serie, bestehend aus:
- Familienaufstellungen
- Dynamiken in der systemischen Arbeit
- Systemische Arbeitsmethoden in der Einzelbetreuung
Damit werden wir uns in den kommenden Wochen eingehend befassen mit systemischer Arbeit.
Die Kerngesetze und Prinzipien, die hierfür charakteristisch sind, tauchen in meiner (therapeutischen) Wahrnehmung und Sichtweise auf die Welt häufig auf.
Sie bieten Möglichkeiten, Dynamiken, in denen Klienten feststecken, zu erkennen bzw. sichtbar zu machen. Darüber hinaus können Arbeitsformen aus der systemischen Arbeit eingesetzt werden, um sich davon zu lösen.
Ein Familienaufstellung ist eine solche Arbeitsform.
Darauf wollen wir heute näher eingehen.
Denn was genau ist das eigentlich, woher kommt es und wie funktioniert es?
Niemand existiert für sich allein
Die mittlerweile immer bekannter werdenden Familienaufstellungen sind eine Arbeitsform aus der systemischen Arbeit. Dabei handelt es sich um einen Ansatz, der Menschen im mensen in de Kontext ihrer Systemebetrachtet: Familie, Arbeit, Teams, Kultur, Beziehungen und so weiter.
Der Ausgangspunkt: Niemand existiert für sich allein. Wir sind Teil von Systemen, die unbewusst unser Verhalten, unsere Entscheidungen und unsere Emotionen beeinflussen.
Ein kurzer historischer Rückblick
Familienaufstellungen sind die bekannteste Form der systemischen Arbeit und wurden in den 80er und 90er Jahren vom deutschen Therapeuten Bert Hellinger entwickelt.
Hellinger kombinierte:
- Erkenntnisse aus der Psychotherapie
- Familiensystemtheorie (u. a. von Virginia Satir & Ivan Boszormenyi-Nagy)
- phänomenologische Methoden (bei denen man ohne vorgefasste Theorie darauf achtet, was sich im Moment zeigt)
- Erkenntnisse aus seiner Zeit als Missionar und seinem Studium der Gruppendynamik
Er stellte fest, dass viele Menschen in Problemen feststeckten, die nicht nur aus ihrem eigenen Leben stammten, sondern in unbewussten Familienmustern verwurzelt waren, wie zum Beispiel:
- verdrängter Schmerz oder Trauma
- Ungerechtigkeit oder Verlust in früheren Generationen
- Personen, die ausgeschlossen oder vergessen wurden
Wichtige Prinzipien
Systemische Arbeit basiert auf einigen wenigen Grundgesetzen:
- Verbundenheit - Jeder, der zu einem System gehört, hat ein Recht auf einen Platz.
- Ordnung - Es gibt eine natürliche Rangordnung (zum Beispiel Eltern vor Kindern).
- Ausgleich von Geben und Nehmen - Gesunde Beziehungen zeichnen sich durch Ausgewogenheit aus.
Wenn diese Prinzipien gestört werden, können innere Konflikte, Muster oder Probleme entstehen, die sich über Generationen hinweg auswirken.
Was geschieht in einer Familienaufstellung?

Während einer Aufstellung:
- Bringt jemand eine Frage oder ein Thema ein.
- stellt der Begleiter Fragen, um dem Kern des Problems / der Fragestellung näher zu kommen. Fragen können sich auf Elemente des Systems beziehen (wie Eltern, Großeltern, prägende Ereignisse).
- Wenn der Begleiter genügend Informationen hat, wählt er/sie Stellvertreter aus, die diese Elemente „verkörpern“. Sie dürfen ihrer inneren Bewegung folgen und sich einen Platz im Raum aussuchen.
- Durch ihre gegenseitigen Positionen, Bewegungen und Gefühle wird sichtbar, wo Spannungen, Blockaden oder Loyalitäten liegen. Jeder Repräsentant hat seine eigene Rolle im System und gibt Auskunft darüber, was sich in diesem Moment zeigt.
- Es ist wichtig, das Sichtbare zu sehen und anzuerkennen. Dadurch kann Bewegung in das entstehen, was feststeckt, belastend ist oder lange verborgen war. So kann es einen Platz bekommen und sich das System neu ordnen.
Aufstellungen können live mit Menschen oder individuell mit Bodenmarkierungen, Figuren oder Karten durchgeführt werden.
Die tatsächlichen Familienmitglieder müssen dabei nicht anwesend sein.
Meine Arbeitsweise
Ich selbst nutze (Familien-)Aufstellungen häufig im Einzelgespräch.
Im dritten Blog dieser Reihe werde ich darauf ausführlich eingehen.
Bevor ich darauf näher eingehe, werde ich nächste Woche zunächst mit folgendem Thema vertiefen:
„Dynamiken in der systemischen Arbeit“
Dies hilft dir anhand konkreter Beispiele zu erkennen, in welchen Dynamiken / (unbewussten) Mustern Menschen feststecken können und wie sich dies im Alltag äußern kann.
