Ein Leben abseits der ausgetretenen Pfade

„Das Leben entscheiden lassen“

Mittlerweile habe ich etwa neun Mal bei Gastfamilien im Ausland gewohnt. Jedes Mal mit dem ausdrücklichen Ziel, eine Sprache zu lernen – nacheinander Deutsch, Französisch und Italienisch. Aber eigentlich war das nie die Hauptmotivation. Die Sprache diente vor allem als Zugangstor. Der eigentliche Antrieb lag in der Neugierde auf das Erleben. Einfach mal alles auf den Kopf stellen. Abseits der ausgetretenen Pfade wandeln.
Und vor allem zu erforschen, was das alles mit mir macht.

Wie könnte man das besser tun, als sich für längere Zeit in ein anderes Familiensystem im Ausland zu begeben? Mit einer anderen Sprache, Kultur und Bräuchen, an die man nicht gewöhnt ist. Das erfordert Anpassungsfähigkeit, Offenheit und gleichzeitig steckt darin etwas wunderbar Abenteuerliches. Der rote Faden bei all diesen Reisen ist, dass ich im Voraus nicht wusste, wo ich landen würde – und genau das machte es jedes Mal zu einem echten Abenteuer.

Meine Erfahrungen führten mich an sehr unterschiedliche Orte und zu ganz unterschiedlichen Menschen: von einem älteren Ehepaar bis zu einer jungen, alternativen Hippie-Familie in Deutschland; von wohlhabenden Familien in Frankreich bis zu aristokratischen Kreisen in Italien; und sogar eine Zeit lang in ein Kloster in Rom.

Heute nehme ich dich mit auf eine Reise durch meine Erfahrungen aus meiner Zeit in Deutschland.

Deutschland – Handwerk, Natur & viele Kontakte
In Deutschland wohnte ich über WWOOF (World Wide Opportunities on Organic Farms) bei Gastfamilien. Im Austausch für Unterkunft und Verpflegung half ich im ökologischen Gartenbau und in der Viehzucht mit. Außerdem absolvierte ich Praktika in Käsereien und Bäckereien. So erhielt ich einen besonderen Einblick in den Alltag, das Handwerk und den Rhythmus der Arbeit im Einklang mit den Jahreszeiten.

Der erste Ort, an dem ich landete, war ein kleines Dorf namens Bösingfeld, in der Nähe von Rinteln, Detmold und Lemgo. Nur etwa drei Autostunden von meinem Wohnort entfernt – und doch fühlte es sich an, als würde ich eine (völlig) andere Welt betreten. Hügige Landschaft, weitläufige Natur und ein Leben, das sich größtenteils abseits der modernen Selbstverständlichkeiten abspielte.

Es gab keine Supermärkte in der unmittelbaren Umgebung. Dafür Bauernhöfe mit kleinen Hofläden oder den örtlichen Metzger oder Bäcker, bei denen die Einheimischen ihre Produkte kauften. Und die Wochenmärkte, auf denen sich alle trafen. Für mich ein idealer Ort, um meine Deutschkenntnisse in die Praxis umzusetzen. Hinter so ziemlich jedem erdenklichen Stand, an dem Produkte verkauft wurden, stand ich voller Begeisterung!

Bei der ersten Familie standen die Eltern nachts um zwei Uhr auf, um in der Bäckerei zu arbeiten. Am frühen Morgen wurden die frisch gebackenen Brote und Backwaren in einen altmodischen Kleinbus geladen, woraufhin wir zum Markt in Rinteln fuhren. Später folgte auch der Markt im Rathaus von Frankenberg – ein Erlebnis für sich. Die Architektur dieser Orte mit ihren Fachwerkhäusern aus dem 15. Jahrhundert gab mir regelmäßig das Gefühl, buchstäblich in die Vergangenheit zu reisen.

Die Arbeit mit meinen Händen, nah an der Erde und dem Produkt, hinterließ einen bleibenden Eindruck. Diese Zeit inspirierte mich später dazu, selbst Gemüse, Obst und Kräuter anzubauen, Brot zu backen und Milchprodukte wie Quark, Joghurt und Weißkäse herzustellen. Zeitaufwändige Aufgaben, aber wertvolle Erfahrungen.

Auf der Suche nach Orientierung
Trotz dieser Erfahrungen war ich damals auch auf der Suche.
Die Zeit im Ausland war bereichernd und lehrreich, aber auch intensiv und zeitweise schmerzhaft und von einem Gefühl der Verlorenheit geprägt.

Was sich im Moment als Suche, als roh oder verloren anfühlt, kann sich im Nachhinein als Teil eines größeren Ganzen erweisen.

Denn irgendwo unter der Oberfläche wurde bereits etwas aufgebaut.
Etwas, das ich damals noch nicht ganz erkennen konnte.

Jetzt – Jahre später – beginnt sich aus diesen früheren Erfahrungen mehr Orientierung zu entwickeln.

In meinem nächsten Blog:
„Von der Suche nach Orientierung“

schreibe ich darüber, wie meine damaligen Erfahrungen,
zu lebendiger Inspiration im Hier und Jetzt führen ✨

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