Lyon – bereichernde Erfahrungen bei einer besonderen Familie


„Verbundenheit mit der Sprache im Hintergrund“

In Frankreich begann mein Abenteuer in Lyonund zwar im sehr beliebten Viertel Croix-Rousse. Ein künstlerisches Viertel, auf einem Hügel gelegen, mit herrlichem Blick über die Stadt. Ich kam zu einer liebevollen Familie mit drei adoptierten Kindern.

Es waren hart arbeitende Eltern, die alles taten, um ihren Kindern ein gutes Leben zu bieten. Gleichzeitig schienen sie alle Hände voll zu tun zu haben. Eines der Kinder befand sich in einer Übergangsphase, ein anderes lehnte sich auf ganz eigene Weise gegen die Welt auf, und das älteste zog nach Paris, um zu studieren. Unterdessen kämpfte ein Elternteil mit einer einschränkenden Krankheit.

Mein Französisch war zu dieser Zeit noch recht begrenzt, manchmal ziemlich hinderlich, aber meistens fanden wir doch einen Weg. Nach und nach fragte ich mich:

'Wie viel Sprache braucht man eigentlich, um sich willkommen zu fühlen?'

Natürlich hilft es, wenn einem die Worte immer leichter fallen. Aber die Grundlage lag in der Verbindung untereinander ohne Worte. Spürbar in kleinen Alltagsmomenten, bei gemeinsamen Mahlzeiten und dem aufrichtigen Interesse am Leben des anderen.

Es gab auch Raum, Fehler zu machen, nach Worten zu suchen und manchmal mit Händen und Füßen deutlich zu machen, was ich meinte.

Auf diese Weise verstanden wir uns und es entstand schnell eine enge Bindung. Ich unternahm regelmäßig Ausflüge mit dem Vater, wir spielten ein Tennisturnier im örtlichen Verein, ich wurde in ihr Zweitwohnsitz in Burgund mitgenommen und der Familie vorgestellt. Für Franzosen, die in ihrem Privatleben oft etwas zurückhaltend sind, ist das keine Selbstverständlichkeit.

Savoir-vivre
Ein Höhepunkt war zweifellos Ostern, als die ganze Familie auf einem Landgut in Burgund zusammenkam. Lange Tische, üppiges Essen, guter Wein, Reden, Genuss. Die Organisation solcher burgundischer Momente sollte man ruhig den Franzosen überlassen – das ist wirklich eine Kunst für sich.

Lehrer mit Geschmack
Tagsüber besuchte ich Kurse an einem Sprachinstitut in der Stadt. Dort traf ich zweifellos einen der besten Sprachlehrer, die mir auf meinen Reisen begegnet sind. Er war begeistert, hervorragend vorbereitet und verstand es, die Sprache stets mit dem Alltag zu verbinden.

Im Unterricht wurden die französische Gastronomie, Kultur und Politik regelmäßig zum Leben erweckt. Neben seiner Arbeit als Lehrer war er zu Hause ein versierter Koch. Seine Restaurantempfehlungen erwiesen sich als Gold wert. Mit unserer eingeschworenen Gruppe aus dem Kurs aßen wir jedes Mal an den außergewöhnlichsten Orten zu Mittag. Dank ihm entdeckten wir verschiedene Orte in Lyon, die ich sonst wahrscheinlich nie gefunden hätte. Das machte das Erlernen der Sprache greifbar. Der Unterricht setzte sich sozusagen in den Straßen, Cafés und Restaurants der Stadt fort.

Die Kunst des Mittagessens
Was mir außerdem auffiel, war der Stellenwert, den das Mittagessen im Alltag einnimmt. Während in den Niederlanden der Nachmittag oft vor allem effizient organisiert wird, scheint ein Mittagessen in Frankreich viel mehr ein geselliger Moment sein zu dürfen. Zeit zum Essen, für Gespräche und Begegnungen. Selbst an einem ganz normalen Arbeitstag. Ich habe nicht den Eindruck, dass das Leben dort weniger hektisch war, aber es wurde sichtbar Raum für Kontakte geschaffen.

Lyon selbst habe ich als eine besondere Stadt erlebt: lebhaft, aber nicht chaotisch, reich an Geschichte und kulinarisch stark. Die Rhône, die durch die Stadt fließt, und der Parc de la Tête d’Or – bis heute einer der schönsten Parks, in denen ich je gewesen bin.

Ich durfte erleben, warum Lyon als die Gastronomiehauptstadt Frankreichs bezeichnet wird. Die verschiedenen Restaurants von Spitzenkoch Paul Bocuse in der ganzen Stadt, jedes mit seinem eigenen Stil, passend zum Charme des jeweiligen Viertels.

Beeindruckend.

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