Psychosomatik & psychosomatische Beschwerden
“Ein Feld, das sich nicht einfach so einfangen lässt“
Ist es Zufall, dass es sich hierbei um ein Thema handelt, zu dem sich nur schwer ein passendes Bild finden lässt?
Oder sagt das etwas darüber aus, wie wir Menschen dazu neigen, das festhalten zu wollen, was sich nicht unmittelbar erfassen lässt?
Die Psychosomatik ist kein klar abgegrenzter Bereich. Sie bewegt sich. Zwischen Körper und Psyche, zwischen Erfahrung und Bedeutung, zwischen dem, was spürbar ist, und dem, was sich (noch) nicht verstehen lässt.
Und das wirft eine grundlegende Frage auf:
Wie weit reicht unsere Fähigkeit zur Deutung – und ist es immer hilfreich, diese voll ausschöpfen zu wollen?
In der Therapie liegt hier ein Spannungsfeld. Einerseits besteht die Neigung, zu erklären, zu ordnen, Richtung zu geben. Andererseits verlangt die Arbeit geradezu nach Zurückhaltung (!)
Um nicht zu schnell zu benennen, was sich noch im Entstehen befindet.
Als Therapeut möchte man sich von Interpretationen, Lenken und Projektionen fernhalten.
Es ist eine wahre Kunst, dem Prozess des Klienten nicht „im Weg“ zu stehen.
Zu frühes Deuten kann etwas festlegen, das noch in Bewegung ist.
Aber das völlige Fehlen von Orientierung kann sich auch unsicher oder verwirrend anfühlen.
Es erfordert also Präzision. Und Timing.
Wenn der Körper spricht
Psychosomatische Beschwerden sind für viele Menschen eine Quelle der Verwirrung. Die Beschwerden sind körperlich spürbar, manchmal sehr intensiv, aber medizinisch gesehen gibt es oft keine (oder keine ausreichende) Erklärung dafür.
Schnell entsteht dann die Vorstellung, dass es „im Kopf“ sitze. Eine Formulierung, die der Erfahrung oft nicht gerecht wird. Nicht weil es falsch wäre, dass Psyche und Körper miteinander verbunden sind, sondern weil sie für manche suggeriert, dass es weniger real wäre. Weniger körperlich.
Während oft das Gegenteil der Fall ist.
Ein zusammenhängendes System
In der Psychosomatik geht es um die Verflechtung von Körper, Psyche und Bewusstsein.
Nicht als einzelne Teile, sondern als ein zusammenhängendes System. Der Körper reagiert ständig auf das, was wir erleben, was wir fühlen und was wir – bewusst oder unbewusst – in uns tragen.
Das geschieht größtenteils außerhalb des Denkens.
Erfahrungen, die zu intensiv, zu früh oder zu komplex sind, um vollständig verarbeitet zu werden, verschwinden nicht. Sie bleiben irgendwo im System präsent. Manchmal still, manchmal im Hintergrund. Und zu anderen Zeiten so deutlich, dass sie sich über den Körper bemerkbar machen.
Nicht immer als Botschaft, die sofort klar ist.
Eher als zum Beispiel Anspannung oder Schmerz, verbunden mit einer sich wiederholenden Geschichte.
Wenn etwas (über einen längeren Zeitraum) nicht gesehen/gehört wird, sucht der Körper einen anderen Ausweg.
Symptombilder
Dies kann sich beispielsweise äußern in:
Chronischen Schmerzen, Müdigkeit, lang anhaltenden körperlichen Beschwerden, Atemproblemen, Verspannungsbeschwerden oder Magen- und Darmbeschwerden.
Dies sind noch eher „Sammelbegriffe“. In der Therapie lässt sich tiefer und damit vielschichtiger betrachten, was zugrunde liegt. Meiner Erfahrung nach gibt es noch viel mehr Möglichkeiten, wie sich der Körper bemerkbar machen kann.
In der Praxis sehe ich zum Beispiel regelmäßig Beschwerden wie Schwindel, (Neigung zu) Ohnmacht oder beispielsweise Ohrensausen. Natürlich kann hier eine medizinische Ursache zugrunde liegen, und es ist wichtig, dass auch diese untersucht wird. Auffällig ist jedoch, dass diese Art von Symptombildern oft mit einem hohen Maß an Stress, Anspannung und/oder unverarbeiteten emotionalen Themen einherzugehen scheint.
Der Körper als Zugangstor
Die Frage ist, wie wir die Signale des Körpers interpretieren. Diese können als „Defekt“ betrachtet werden, aber auch als Eingang. Ein Ort, an dem etwas sichtbar wird, das sich zuvor nicht zeigen konnte. Dort, wo Signale oft ignoriert oder unterdrückt wurden, verlangen sie geradezu nach Aufmerksamkeit.
Das ist gewissermaßen eine gegenläufige Bewegung.
Das bedeutet nicht, dass Beschwerden sofort „logisch“ oder eindeutig sind.
Im Gegenteil.
In der Praxis sind Signale oft vielschichtig und manchmal widersprüchlich.
Es kann gleichzeitig ein Bedürfnis nach Bewegung und nach Stillstand geben.
Nach Nähe und nach Distanz.
Nicht als einfache Ursache-Wirkungs-Beziehung, sondern als Teil eines komplexen Ganzen.
Glücklicherweise müssen wir in der Therapie das komplexe Ganze nicht verstehen, um damit arbeiten zu können. Wir arbeiten nämlich genau mit dem, was sich im Moment zeigt. Eine Spannung, ein Überlebensmechanismus oder ein zugrunde liegendes Gefühl zum Beispiel.
Meine Arbeitsweise in der Psychosomatik
In meiner Arbeit steht der Körper im Mittelpunkt, nicht als Objekt, sondern als Zugang.
Dabei arbeite ich auf der Grundlage von:
- körperorientierter Wahrnehmung
- Abstimmung auf das Nervensystem
- Verlangsamung statt Forcierung
- Folgen / bei dem bleiben, was sich gerade zeigt
Der Prozess entfaltet sich nicht nach einem festen Protokoll. Jede Beschwerde, jeder Körper und jede Geschichte erfordert einen eigenen Ansatz. Eigentlich liegt darin eine Einladung, die Intelligenz des Körpers wieder ernst zu nehmen.
Indem man verlangsamt und darauf hört. Daraus kann Bewegung entstehen.
Heilung entsteht, indem man innerlich bei dem präsent bleibt, was sich zeigt, ohne Widerstand.
Therapeutische Begleitung kann dir dabei helfen. Jeder Mensch hat blinde Flecken, und es kann sinnvoll sein, diese sichtbar zu machen.
Verweis auf Blog #2
Anschließend hilft ein nach innen gerichteter, forschender Blick, um eine Linderung von Beschwerden und belastenden Mustern zu erreichen.
Im 2. veröffentlichten Blog:
‘Erleben und der Prozess der Bewusstwerdung’
bin ich näher auf die Schritte eingegangen, die du dabei bereits selbstständig unternehmen kannst.
Nächste Woche steht der dritte Teil dieser vierteiligen Reihe auf dem Programm:
„Die Natur als heiliger Ort“
Hier verlagert sich die Aufmerksamkeit auf einen anderen Ansatz:
die Rolle der Natur bei der Genesung und Regulierung.
Fortsetzung folgt... !
