Die Natur als heiliger Ort
Im Laufe der Jahre hat mich die Natur 🌿 immer mehr in ihren Bann gezogen
Es ist wahrhaft magisch zu sehen, was um uns herum wächst, blüht, fließt und lebt.
Und die Intelligenz, die in der Natur verborgen liegt, fasziniert mich zutiefst.
Wer genau hinschaut, sieht unzählige Beispiele für ein geniales System.
Nehmen wir den Ozean.
Ein Oktopus, der nicht nur seine Farbe, sondern auch seine Beschaffenheit verändert.
Seine Haut passt sich der Umgebung an – von glatt zu rau, von Stein zu Koralle – innerhalb weniger Sekunden. Er passt sich sofort an das an, was nötig ist.
Oder ein Fischschwarm.
Tausende von Individuen, die in einer einzigen fließenden Bewegung die Richtung wechseln. Scheinbar ohne Anführer oder Signal. Als ob sich ein einziger Körper bewegt, statt Tausender einzelner Tiere.
Und unter der Erde kommunizieren Bäume miteinander über ein unsichtbares Netzwerk aus Pilzen.
Sie tauschen Nährstoffe aus, warnen sich gegenseitig vor Gefahren und unterstützen schwächere Artgenossen.
Als wäre der Wald ein einziger Organismus, statt einzelner Bäume.
Die Natur ist keineswegs willkürlich.
Im Gegenteil, sie ist äußerst intelligent.
Nur vielleicht nicht auf die Art und Weise, wie wir Intelligenz zu verstehen gelernt haben.
Eine Intelligenz, die unserem Denken vorausgeht
Wir sind es gewohnt, Intelligenz mit Denken zu verbinden.
Wo wir oft lenken, kontrollieren und erklären, zeigt uns die Natur etwas anderes:
eine Form der Ordnung, die nicht aus Kontrolle entsteht, sondern aus Abstimmung.
Bienen, die tanzen, um einander den Weg zur Nahrung zu weisen.Bienen, die tanzen, um einander den Weg zur Nahrung zu weisen.
Zugvögel, die Tausende von Kilometern zurücklegen und fehlerfrei genau an denselben Ort zurückkehren.
Samen, die genau zum richtigen Zeitpunkt keimen, nicht zu früh, nicht zu spät.
Was hier sichtbar wird, ist keine vereinzelte Klugheit. Es ist Zusammenhalt.
Eine Intelligenz, die nicht in einem einzelnen Organismus steckt, sondern im Ganzen.
Geniales System
Was mich so fasziniert, ist, dass von dieser Einfachheit eine unglaubliche Weisheit ausgeht.
Das System ist einerseits hypergenial und gleichzeitig erstaunlich logisch.
Die Natur scheint es sich nicht schwerer zu machen, als nötig.
Sie macht es sich zur Kunst, nicht gegen sich selbst zu arbeiten.
Das kann ich genießen.
Kein Leistungsdruck, keine Neigung zum Vergleichen oder Urteilen.
Kein Streben, in irgendetwas besser zu sein als ein anderer.
Ein Baum versucht nicht zu wachsen.
Wasser versucht nicht zu fließen.
Ein Tier versucht nicht, präsent zu sein.Ein Tier versucht nicht, präsent zu sein.
Alles ist.
Und damit stimmt es.
Natur und das Nervensystem..
Lassen Sie uns einmal genauer betrachten, was die Präsenz natürlicher Umgebungen mit uns Menschen macht:
- Senkt die Aktivität des sympathischen Nervensystems (Stressreaktion)
- Unterstützt den parasympathischen Zustand (Ruhe, Erholung, Integration)
- Erhöht das Körperbewusstsein
- Lindert Hypervigilanz und chronische Anspannung
Bemerkenswert ist dabei, dass diese Effekte nicht in erster Linie mentaler Natur sind. Sie wirken unterhalb des Denkens. Der Körper reagiert auf Rhythmus, Raum, Geräusche, Licht, Gerüche und natürliche Ordnung.
Die Natur kann sozusagen durch Angleichung Heilung bieten. So kann sie helfen, das Tempo zu verlangsamen und buchstäblich mehr Raum zum Atmen zu schaffen.
Die Natur als Co-Regulator
In der Therapie spreche ich regelmäßig über Co-Regulation:
die Fähigkeit eines anderen (Mensch, Tier oder Umgebung), das Nervensystem bei der Regulierung zu unterstützen.
So ist auch die Natur ein außergewöhnlich stabiler Co-Regulator.
Es gibt keine Agenda, keine Projektion und keine unbewussten Bedürfnisse. Die Natur bewegt sich in ihrem eigenen Tempo und lädt den Körper ein, sich daran anzupassen.
Für Menschen, die lange Zeit im Überlebensmodus gelebt haben, kann dies zutiefst heilend sein. Nicht umsonst werden Menschen mit psychischen Problemen in Japan für einige Wochen in die Natur geschickt. Nicht selten ist die Natur der erste Ort, an dem das System es wieder wagt, sich zu entspannen. Möglicherweise sogar noch bevor dies im Kontakt mit einem anderen Menschen gelingt.
Mein Prozess
Die Reihenfolge, in der sich dies bei mir entwickelt, ist ebenfalls interessant. In den letzten Jahren bin ich immer öfter in der Natur anzutreffen und kann zutiefst erfahren, wie sich dies in mir auswirkt.
Von dort aus kam mein Hund auf meinen Weg. Mit einer bemerkenswert ruhigen Grundhaltung und einer direkten, nicht wertenden Präsenz. Auch darin wurde Co-Regulation spürbar. In Kontakt, Nähe und Einfachheit.
Nun entsteht für mich Raum, dies in zwischenmenschlicher Hinsicht zu gestalten. Und damit meine ich: die Fähigkeit, beim anderen zu bleiben und gleichzeitig bei mir selbst. Die Fähigkeiten dafür waren zwar vorhanden, aber alte Überlebensmuster sorgten dafür, dass ich dafür meine Zeit gebraucht habe.
Man könnte also sagen: Natur – Hund – Mensch.
In dieser Reihenfolge in Bezug auf Sicherheit in der Verbindung.
Sage ich etwas scherzhaft und mit einem Lächeln zu mir selbst.
Obwohl darin ein Kern Wahrheit steckt, ist es natürlich alles andere als ein linearer Prozess.
Lebensenergie und Sehnsucht erklingen derzeit aus der Fülle heraus, nicht aus einem Mangel. Eine wesentlich andere Bewegung. Weniger ziehend und mehr getragen.
Das ist eine besonders schöne Entwicklung ✨
In der Praxis
Diese Bewegung wirkt sich auch darauf aus, wie ich arbeite.
Wo ich beruflich immer auf eine ruhige, getragene Präsenz bauen konnte, entsteht nun immer mehr Tiefe aus der Mühelosigkeit heraus.
Außerdem nehme ich Klienten regelmäßig mit nach draußen.
Ein kurzer Ausbruch aus dem Innenraum kann manchmal etwas öffnen, das im Inneren verschlossen blieb.Ein kurzer Ausbruch aus dem Innenraum kann manchmal etwas öffnen, das im Inneren verschlossen blieb.
Der Raum, die Geräusche, die Bewegung.
Es kann helfen, aus dem Kopf herauszukommen und zur unmittelbaren Erfahrung zurückzukehren.
Schweden
Dies habe ich in Glaskogen, Schweden, zutiefst erfahren.
Hier haben wir uns mit einer Gruppe von 10 Personen der Weisheit der Natur geöffnet.
Keine Eile, kein Telefon.
Nur Wasser, Wald, Stille und einander.
In unseren Kanus zogen wir von Insel zu Insel.
Um dort anzulegen und uns mithilfe von Aufstellungen und Formen der Körperarbeit zu vertiefen.
Für mich wurde dort sehr schön deutlich, dass wir kein isoliertes System sind.
Sondern – im Einklang miteinander und mit der Natur – Teil von etwas viel Größerem.
So selbstverständlich unser Leben hier manchmal auch erscheinen mag,
es ist wirklich etwas Besonderes, ein Teil davon sein zu dürfen.
Nächste Woche schreibe ich über:
Schweden: Polyvagales System im Außenpraxis
Über die besonderen Erlebnisse im Naturschutzgebiet Glaskogen 🌿
