Systemische Arbeitsmethoden in der Einzelbetreuung
Bodenanker
In der Einzelberatung arbeite ich häufig mit systemischen Arbeitsmethoden. Dies kann auf verschiedene Weise geschehen. Meistens verwende ich Bodenanker.
Verschiedene Anwendungen von Bodenankern
Dies können physische Objekte sein (Matten, Papierbögen, Symbole, Materialien), aber auch imaginäre Positionen im Raum. Ich verwende meist farbige Kreise, die gleichzeitig eine Blickrichtung anzeigen.
In Tropfenform
Ein offener Bereich für die Blickrichtung
1. Darstellung von Familienmitgliedern oder Themen
Bodenanker können (unter anderem) stehen für:
- Mutter, Vater, Kind
- Kindanteil (jüngerer Teil von dir selbst)
- Abwesende oder ausgegrenzte Familienmitglieder
- Themen wie Verantwortung oder Freiheit
- Gefühle
- Täter oder Opfer
Grundsätzlich kann jedoch alles aufgestellt werden. Die Arbeit ist phänomenologisch. Der Begleiter stimmt sich auf dich und dein System ein und spürt im Moment, wo die Spannung liegt und von wo aus die Aufstellung beginnen darf. Das bedeutet auch, dass eine Aufstellung in viele verschiedene Richtungen gehen kann. Nehmen wir zunächst das folgende Beispiel.
Wir gehen davon aus, dass verschiedene Elemente aufgestellt sind.
Diese haben wir benannt, woraufhin sie einen Platz im Raum erhalten.
Anschließend lasse ich den Klienten selbstständig einen Platz im Raum wählen.
Der Klient nimmt dann in der Aufstellung eine Beziehung zu den anderen aufgestellten Elementen oder „Repräsentanten“ ein.
Gleichzeitig liegt der Fokus darauf, was im Körper geschieht. Empfindungen, Emotionen und Impulse werden nicht gesteuert, sondern wahrgenommen.
Hat jemand das Gefühl, dass er/sie „nichts fühlen kann“?
Dann kann dies bereits ein guter Einstieg sein.
2. Ordnung und Platz einnehmen
Viele Beschwerden hängen damit zusammen, dass man nicht am richtigen Platz steht. Indem man sich (langsam) durch die Aufstellung bewegt, kann man spüren, ob dieser Platz im Verhältnis zum anderen „stimmt“ oder vielleicht gerade belastend ist. Wichtig bleibt, dies körperlich zu erleben. Dadurch lassen sich bereits sehr schöne Einsichten gewinnen, gerade weil Muster sichtbar werden und durchfühlt werden.
Man kann zum Beispiel erleben:
- Dass bekannte Spannungen gerade dann ausgelöst werden, wenn man
sich in eine bestimmte Richtung bewegt - Wie es ist, „zu klein“ oder „zu groß“ zu stehen
- Wie es sich anfühlt, eine Elternlast zurückzugeben
- Wie der Körper reagiert, wenn der eigene Platz eingenommen wird
3. Sowohl Begleiter als auch Stellvertreter
Es kommt vor, dass ich als Begleiter der Aufstellung auch die Rolle des Stellvertreters übernehme. Damit verkörpere ich das, was aufgestellt ist. Zum Beispiel den Bruder, den Vater, die Mutter oder einen Kindanteil. Das ist wieder etwas anderes, als wenn nur ein Bodenanker auf dem Boden liegt. Obwohl man auch nur mit Bodenankern effektiv arbeiten kann, kann dies manchmal als authentischer oder eindringlicher empfunden werden.
Vor allem, wenn Interventionssätze eingesetzt werden.
4. Interventionssätze
In Aufstellungen kann mit sogenannten Interventionssätzen gearbeitet werden. Damit meine ich sorgfältig gewählte Worte, die eine Bewegung im System ermöglichen können. Ein Interventionssatz kann lauten:
„Das ist dein Schicksal, ich überlasse es dir“
oder
„Ich bin das Kind, du bist der Elternteil“
Die Verwendung solcher Sätze in Aufstellungen kann vertiefend und heilend wirken – sofern sie auf reine Weise angewendet werden. Das bedeutet: abgestimmt auf den Klienten und das System. Und das bedeutet nicht: lenken oder lösen. Aufstellen ist ein Handwerk und erfordert viel Einfühlungsvermögen. Glücklicherweise lassen sich Sätze sehr gut überprüfen. Wenn der Klient ihn aussprechen kann, kannst du fragen, ob sich der Satz richtig anfühlt.
Wenn ein solcher Satz im richtigen Moment ausgesprochen wird – und vom Körper aufgenommen werden kann –, kann sich vielleicht etwas lösen, das schon lange feststeckte. Anerkennung und Ordnung können für eine heilende Bewegung sorgen.
5. Generationsaufstellungen
Bodenanker können auch verwendet werden, um:
- Generationen sichtbar zu machen
Dies kann unter anderem sehr anschaulich machen, welche Belastungen beispielsweise in der Vater- oder Mutterlinie bestehen können. Auch hier kann es sinnvoll sein, die aufgestellten Repräsentanten (einschließlich dessen, was sie mit sich tragen) aus deiner Familienlinie zu sehen und anzuerkennen.
6. Innere Anteile und Konflikte
Auch innere Dynamiken können systemisch angegangen werden:
- Ein Anteil, der will, und ein Anteil, der zögert
- Loyalität versus Autonomie
- Sehnsucht versus Angst
Oft wird dann von selbst spürbar, wo die Spannung/Blockade liegt, und von dort aus kann weitergearbeitet werden.
Die Rolle des Begleiters
Als Begleiter bleibe ich innerlich präsent und beobachte, was das System zeigt und was im Moment entsteht. Nur wenn es angebracht ist, übernehme ich selbst die Rolle eines Repräsentanten, um etwas greifbarer zu machen. Dies geschieht niemals, um zu lenken oder zu lösen, sondern um dem Klienten Raum zu bieten, selbst zu erfahren.
Die systemische Arbeit ist somit ein subtiles Zusammenspiel: Der Klient, die Repräsentanten (Bodenanker) und die gesamte Dynamik des Systems bilden gemeinsam ein Feld, in dem Muster sichtbar werden und Bewegung stattfinden kann. Als Begleiter unterstütze ich diesen Prozess, ohne das Ergebnis vorzugeben. So erhält der Klient Raum, um zu erfahren, wo etwas feststeckt, wo Muster belastend sind und von wo aus Bewegung, Entspannung und Heilung entstehen können.



