Kickboxen als psychophysische Intervention

Verborgene Muster im Bild

Das. Erste, was einem beim Thema Kickboxen in den Sinn kommt, ist vielleicht: intensiv, körperbetont, manchmal sogar aggressiv. Meiner Erfahrung nach – sowohl persönlich als auch bei der Arbeit mit Menschen – hat es jedoch noch weitere Facetten.
Sofern man richtig damit umgeht, kann es eine wirkungsvolle psychophysische Intervention sein.
Eine Arbeitsform, bei der sowohl (belastende) körperliche als auch kognitive Muster sichtbar werden können.

Spiegelfunktion
Wo Worte verschleiern und der Verstand rationalisieren kann, spricht der Körper eine direkte Sprache. Beim Kickboxen wird man unerbittlich mit Anspannung, Grenzen, Atmung und Ausdauer konfrontiert. Dabei können verschiedene Muster zutage treten, wie zum Beispiel:

  • Wo sich Anspannung festsetzt,
  • wenn jemand immer zu hart rangeht
  • Jemand, der sich schont und es nicht wagt, durchzuhalten
  • Sich beim Boxsack zurückhalten – es nicht wagen, alles zu geben – oder sich sogar komplett blockieren
  • Wie Grenzen gewahrt werden (oder auch nicht)

Diese Muster sind selten neu. Sie spiegeln oft wider, wie jemand zum Leben, zu Beziehungen oder zur Arbeit steht. Der Körper zeigt, was das Nervensystem schon lange weiß.
Die Beobachtungen sind keine abstrakten, sondern unmittelbar spürbare Erfahrungen, die gegebenenfalls angepasst werden können.Dadurch lässt sich das Verfahren effektiv als Interventionsinstrument einsetzen.

Regulierung des Nervensystems
Wenn wir uns das Nervensystem genauer ansehen, stellen wir fest, dass viele Menschen unter chronischem Stress, traumabedingten Beschwerden und einem erhöhten Erregungszustand leiden. Da ist es kein abwegiger Gedanke, dass Kickboxen hilfreich sein kann. Wenn es nämlich sicher und individuell abgestimmt angeboten wird, kann es helfen, Spannungen kontrolliert abzubauen und wieder Zugang zu körperlicher Kraft und Erdung zu finden.

Gerade der Wechsel zwischen Anstrengung, Pause und Atmung lehrt den Körper, wieder umzuschalten. Das ist keine kognitive Erkenntnis, sondern Erfahrungslernen..
So kann es auch eine interessante Kombination sein, eine Kickbox-Einheit beispielsweise mit verbundener Atmung zu verbinden. Zuerst körperlich aktiv sein, um anschließend tiefer in den Körper sinken zu können.

Aggression versus Lebensenergie
Ein wichtiges Missverständnis ist meiner Ansicht nach, dass Kickboxen Aggression verstärken würde. In Wirklichkeit geschieht oft das Gegenteil. Viele Menschen mussten ihre primäre Lebensenergie (Kraft, Tatkraft, Durchsetzungsfähigkeit) früh in ihrem Leben zurückhalten. Was sich dann aufstaut, ist keine gesunde Aggression, sondern festsitzende Spannung.
Wenn man einen Rahmen bietet, in dem Kraft erlaubt ist und Grenzen klar sind, kann der Energie eine Richtung gegeben werden, in der Ausdruck auf sichere Weise stattfindet.
Dadurch kann unterdrückte Energie wieder funktional und rein eingesetzt werden, ohne Zerstörung.

Für wen ja und für wen nein
Kickboxen als psychophysische Intervention ist nicht für jeden geeignet und erfordert eine sorgfältige Abstimmung. Es wirkt besonders gut bei Menschen, die:

  • Schwierigkeiten haben, ihre Gefühle wahrzunehmen
  • In ihren Gedanken feststecken
  • Sich nicht trauen, ihre Kraft zu nutzen
  • Bedarf an klarem, körperlichem Feedback haben Wichtig(!) ist die Begleitung durch jemanden, der:

Wichtig(!) ist die Begleitung durch jemanden, der:

  • Körperorientiert wahrnehmen kann
  • Psychische Prozesse erkennt
  • Auf Sicherheit und Grenzen achtet
  • Vorzugsweise selbst Erfahrung im Kampfsport hat

Ohne diesen Rahmen verliert es seinen therapeutischen Wert.

Aktiv verkörpert
Kickboxen kann – wenn es richtig eingesetzt wird – besonders tiefe Schichten berühren. Gegebenenfalls in Kombination mit einer anderen Form der Körperarbeit. Dies kann eine zusätzliche Vertiefung bewirken.
Die Arbeitsform lädt zu Präsenz, Verkörperung und Verantwortung ein. Nicht durch Analysieren, sondern durch Erleben.
Im klinischen Umfeld kann das manchmal genau das sein, was nötig ist: nicht noch ein Gespräch oder Ähnliches, sondern geradezu buchstäblich die Hinwendung zu körperlicher Aktivität und einem Körper, der wieder lernt zu spüren, dass er da sein darf.



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